Zum Hauptinhalt springen

Ludwigsburgs Negativlauf wird mit Derby-Party beendet

Die MHP RIESEN Ludwigsburg haben ihre Niederlagen-Serie mit einem Statement-Sieg beendet. Die Barockstädter gewannen das Schwaben-Derby bei ratiopharm ulm 91:82 – und sorgten für Partystimmung im Gästeblock.    

 

Bereits im Vorfeld des Derbys bei ratiopharm ulm sorgte Headcoach John Patrick für Aufsehen: Der US-Amerikaner wagte die Personal-Rochade ohne „klassischen“ Center und verzichtete bewusst auf Trevor Mbakwe. Für ihn rückte Kelan Martin zurück ins Aufgebot der gelb-schwarzen Gäste. Ab der ersten Spielminute standen dann aber andere Akteure im Mittelpunkt: Die beiden Small Forwards Malcolm Hill und Javonte Green erzielten jeweils die ersten fünf Punkte ihrer Teams – und sorgten für einen ausgeglichenen Auftakt. Ab der dritten Spielminute fanden dann die MHP RIESEN zunehmend besser ins Spiel. Sie griffen beim Rebound sehr gut zu, legten einen 12:0-Lauf aufs Parkett und zwangen Thorsten Leibenath zu einer Auszeit (10:18, 6. Spielminute). Aus der defensiv guten Mannschaftsleistung ragte am offensiven Ende des Parketts Kelan Martin heraus. Der 23-Jährige erzielte acht Zähler in Folge und hatte damit großen Anteil an der Viertelführung (21:24, 10.).

Auch zum Start des zweiten Spielabschnitts blieb Ludwigsburg am Drücker. Obwohl die Ulmer immer wieder Nadelstiche setzen konnten, kamen die Gäste meist zur notwendigen Entlastung. Einzig Javonte Green bekamen sie kaum in den Griff. Ulms Nummer #5 war der Aktivposten schlechthin – konnte seine Farben vorerst aber nur anführen und nicht in Führung bringen (23:30, 14.). Vielmehr gelang es den MHP RIESEN mehr und mehr davonzuziehen. Die Barockstädter zeigten eine sehr gute Leistung, spielten schnell und effizient und stellten verdientermaßen auf +11. Dabei blieb es jedoch nicht. Denn Ulm hielt standhaft dagegen und verkürzte das entstandene Defizit bis auf acht Zähler. Ludwigsburg musste sich beim Gang in die Kabine dennoch einzig die Turnover-Anzahl (11) vorwerfen lassen (35:43, 20.).

Emotionale Achterbahnfahrt in der zweiten Hälfte

Im Anschluss an den Seitenwechsel blieben die Gäste das konzentriertere Team und bauten deshalb ihre Führung weiter aus. Die Halle war entsprechend konsterniert, wurde aber wieder zum Faktor, als Adam Waleskowski Green mit aller Macht an den Fastbreak-Punkten hinderte. Der Gefoulte blieb trotz harter Landung und immenser Gegenwehr Spieler des Spiels. Er kam letztlich auf 31 Punkte. Da aber bei nahezu allen anderen Leibenath-Schützlingen weiterhin wenig klappte, konnten die MHP RIESEN ihre Führung vorerst halten (45:58, 25.). Bis zur 30. Spielminute vergrößerten sie den Vorsprung gar weiter und sorgten bei der Mehrheit der 6.200 Zuschauer für Ernüchterung. Bezeichnend für die gute Leistung war ein sehr weiter Distanztreffer von Donatas Sabeckis. Der LItauer stellte mit Ertönen der Sirene auf +22 (52:74, 30.).

Wie nicht anders zu erwarten, mobilisierten die Ulmer zum Start des Schlussabschnitts noch einmal alle Kräfte. Fans und Team gaben alles und verkürzten das entstandene Defizit erfolgreich. Headcoach John Patrick versuchte zwar die Nerven seiner Spieler mit einer Ansprache am Seitenrand zu beruhigen, doch die Hausherren und auch die Kulisse waren zurück im Spiel – und zwangen den US-Amerikaner zu einer weiteren Auszeit (64:74, 33.). Die orange-schwarzen Korbjäger agierten nun, angeführt von Per Günther, wie entfesselt und trafen nahezu jeden Wurfversuch.

Erst ein offener Korbleger von Malcolm Hill konnte den 18:0-Lauf der Hausherren unterbrechen. Obwohl der Korberfolg nur ein kleiner Tropfen auf den sehr heißen Ulmer Stein war, half er den MHP RIESEN enorm. Sie fanden wieder Zugriff zum Spiel und blieben in Front. Als Ryan Thompson zudem sein fünftes Foul kassierte und Hill auf der Gegenseite einen Distanzwurf durch die Reuse jagte, ebbte die Ulmer Schlussoffensive erheblich ab (79:86, 38.). Ludwigsburg behielt im richtigen Augenblick die Nerven, griff sich mehrere Offensiv-Rebounds und holte durch einen kämpferischen Schlusssprint den so dringend benötigten Sieg.

Einziger Wehrmutstropfen in der sich Bann brechenden Siegesparty war letztlich die unglückliche Verletzung von Malcolm Hill. Ludwigsburgs Topscorer verletzte sich in den Schlussminuten der Partie am Knie, gab nach Spielende aber schon leichte Entwarnung.

Statements und Stats

John Patrick: „Es war ein sehr emotionales Spiel für uns. Wir waren einen ganzen Monat ohne einen Sieg. Ulm liegt dann zum Beginn des Spiels 10:5 in Front. Dann spielen wir jedoch 27 Minuten guten Basketball. Dennoch kassieren wir zum Beginn des vierten Viertels einen 18:0-Lauf – und kommen in eine Situation, welche wir in den letzten Partien mehrfach erlebt haben: wir verlieren unsere Konzentration. Dennoch möchte ich Ulm und besonders Per Günther für das im vierten Viertel Gezeigte ein Kompliment aussprechen. Ulm hatte – das haben wir letzte Woche in Bayreuth schon gesehen – Probleme mit unserer Art der Verteidigung. Am Ende kämpfen wir uns ins Spiel zurück und ich bin glücklich, dass wir einen solchen Befreiungsschlag landen konnten.“

Thorsten Leibenath: Glückwunsch an John zum verdienten Sieg. In den ersten drei Minuten waren wir gut, dann spielen wir 27 Minuten einen absoluten Dreck zusammen. Einen absoluten Dreck. Für mich lässt das nur eine Frage zu: Haben wir verstanden, in welcher Situation wir in der BBL sind? Offensichtlich nicht. Da hilft es auch nichts, dass wir im vierten Viertel Charakter gezeigt haben. Das war heute eine Frechheit. Bei 13 Offensiv-Rebounds könnte man meinen, dass wir eine gute Rebound-Mannschaft sind. Gleichzeitig geben wir 15 ab, sind nachlässig. Für mich ist das eine Einstellungsfrage. Obwohl wir 19 Ballverluste erzwingen, haben wir kaum eine Chance dieses Spiel zu gewinnen. Sind nachlässig und viel zu passiv. Wer glaubt, dass es leichter ist, wenn der Gegner zehn Niederlagen in Folge kassiert hat, irrt sich. Dann ist es erst recht schwierig. Ludwigsburg ist sehr gut! Sie waren letztes Jahr Dritter, haben in Berlin mit sechs Punkten und in Bamberg nur nach Overtime verloren. Die sind sehr gut. Klar, die sind 14ter. Aber wir sind noch dahinter. Wir sind 15ter. Einige scheinen den Ernst der Lage nicht verstanden zu haben.“

Für Ulm spielten: Javonte Green 31 Punkte/7 Rebounds, Per Günther 13, Isaac Fotu 13, Patrick Miller 9, Ryan Thompson 8, Ismet Akpinar 5, David Krämer 3, Dwayne Evans, Katin Reinhardt, Bogdan Radosavljevic, Maxi Ugrai und Nicolas Bretzel.

Für Ludwigsburg spielten: Malcolm Hill 20 Punkte, Lamont Jones 18, Kelan Martin 15/6 Rebounds, Owen Klassen 15/9, Jordon Crawford 7/6 Assists, Donatas Sabeckis 6, Adam Waleskowski 5, Konstantin Klein 3 und Karim Jallow 2.

Zurück